Stadtrat-Corner 
 
 vom 22. Nov. 01
 
Stadtrat-Tagebuch  Die schönsten Zitate 
  

 
 
Burggasse 27 - das Parlament tagt im ersten Stock Das Stadtrat-Tagebuch vom 22. Nov. 01 
 
Wir haben interessanten, hohen Besuch heute! Professor Gilles Petitpierre, Präsident der Projektorganisation "Status du district bilingue de Bienne" ist zur Sitzung geladen, und ich habe Glück: Ich treffe gleichzeitig mit ihm und dem Ratspräsidenten beim Garderobeständer ein, werde vorgestellt, darf die Hand geben und auch ein paar Worte wechseln, was mich als Historikerin ehrt und freut. Und ich sehe es nun von nahem und live bestätigt: Professor Petitpierres Gesicht  hat  in der Tat die selbe eingebuchtete Schönheit wie das seines Vaters, Bundesrat Max Petitpierre. 

Ich giesse Albert fürsorglich Wasser ein und umschmeichle ihn auch sonst: Er will mein Postulat nicht unterschreiben, aber ich möchte, dass er wenigstens für die Dringlichkeit mit aufsteht. 
Zu Beginn der Sitzung wie fast immer ein reges Zirkulieren im Saal, und heute gehöre ich auch zu den herum Eilenden, muss Christine was sagen, und Marianne, und schauen, dass Maurice fleissig Unterschriften sammelt und dann mein Kultur-Raketchen an die Grünen weitergibt. 

Ratspräsident Nicati löst Applaus aus für die Damen des Ratssekretariats. Heute, am Tag der Novembersitzung, haben wir die Dossiers für die nächste Sitzung erhalten und gleichzeitig bereits das umfangreiche Protokoll der letzten Sitzung! 
Dann wird es konzentriert im Saal, das Geschäft "Status des zweisprachigen Amtsbezirks Biel" wird in Angriff genommen. Ein eloquentes Romand-Votum folgt dem andern, und dann spricht auch Professor Petitpierre. Die Aufmerksamkeit ist gegeben, und Ratspräsident Nicati, gefesselt vom Vortrag, lässt für einmal das Mobiliar in seiner Reichweite in Ruhe. Anschliessend kommen - den Auftakt macht Peter Moser -  sämtliche Grossräte nach vorne und malen das Bild einer reichlich düsteren Situation der Bieler Grossräte in Bern. Nur Grossrat Iseli darf nichts dazu sagen, denn er wohnt der Sitzung auf der Tribüne bei. 
Ich sehe Isabelle Augsburger mein Postulat unterschreiben, nachher Jean-Claude Clénin und François Gauchat, und bin zufrieden. 

In der Bielstube dann gibt es einen Salat mit sehr scharfer Curry-Sauce, dazu ein paar erstaunlich milde Diskussionen. 
Nach der Pause kommt es zu einem eindrücklichen Auftritt: Stadträtin Félicienne Villoz-Muamba, unsere grünafrikanische Ratsfreundin in schönem Violett und  mit toller Frisur spricht zum ersten Mal im Bieler Parlament. Aufmerksam ist der Rat, ruhig und wohlgesetzt Féliciennes Wort - es ist augenfällig, dass sie das Sprechen in der  UNO und vor anderen grossen Gremien gewohnt ist.  

Zügig kommen die Geschäfte voran - der Ratspräsident, welcher keine Geschäfte ins neue Jahr hinüber verschleppen möchte, ist zufrieden mit seinen Schäfchen.  
Barbara Schwickert spricht zu zwei eigenen Motionen in Folge und wirkt einmal mehr, als sei sie mit dem Mikro verheiratet und der Ratssaal ihre Wohnstube. Barbara - wären Vorbilder für vergnügten Enthusiasmus und gelassene politische Beharrlichkeit zu nennen, dein Name drängte sich auf! 

Und apropos vergnügte Gelassenheit: Konkurrenz erwächst Barbara in Marc Despont, der mit Charme und schöner Beredsamkeit seine Voten gestaltet und vor Augen hält, was ein Biel im weihnächtlichen Lichterglanz uns sein kann: heimelig fühle man sich, man könne verweilen und in die Lichtlein schauen -  "et pourquoi pas rêver?". Recht hast du, Marc! Und ich wäre mit dir aufgestanden, aber man lässt uns ja nicht! Oder nur, um dagegen zu sein, dass der Stadtrat nicht dafür sein darf, weil die Kompetenzen anders liegen, und wo bleiben da die Glitzerlämpchen? 

Eine recht interessante, und erfreulicherweise ziemlich hochstehende Kulturdiskussion entspinnt sich, bei der Behandlung des Postulat Sermet zur Kulturpolitik der Stadt Biel, und ich denke zufrieden an mein Raketchen, welches zusammen mit Barbara und Maurice über zwanzig Unterschriften eingefangen hat. Und dank Christine Schneiders Umsichtigkeit kommt auch meine eigene noch dazu. 

Und dann ist es soweit - eine Sitzung, von der viele geargwöhnt haben, sie könnte sich bis Mitternacht hinziehen, ist um halb elf zu Ende. Herzliche Verabschiedungen von Ratskolleginnen und Kollegen - so ein Parlament ist in der Tat so etwas wie eine Familie,  eine  gut funktionierende Familie, die zusammenhält, manchmal auch streitet,  erstaunlich oft sich aber auch recht einig ist - und ebenso oft versteht man sich mit Cousins und Cousinen durchaus besser als mit Schwestern und Brüdern, und auch dies gehört dazu,  anders wüsste  ich es mir nicht zu wünschen. 
 

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Die schönsten Zitate, Stadtratssitzung vom 22. Nov. 01
 Je ne veux pas jouer l'avocat du diable  
François Contini, während eines brillanten Votums zum Status du district bilingue de Bienne - es reicht, wenn einer Advokat ist! 

Nous nous sommes vus créer un caméléon - maintenant l'animal est prêt  
Professor Gilles Petitpierre, Präsident der Projektorganisation "Status du district bilingue" in schönen Metaphern bezüglich des zu schaffendenen Sonderstatus Biel. 

De hätte mer ändlech öpper, wo im Grossrat d'Bieler Inträsse würd verträtte!   
Grossrat Peter Moser, gezeichnet von einer für Bieler Grossräte aufreibenden Grossratswoche und sich in diesem Zusammenhang nichts Geringeres als eine Grossratskandidatur Hans Stöcklis wünschend 

Der Willy Pauli tuet säge, was dert tuet loufe!  
Grossrat Heinz Lachat, völlig unverkrampft und sehr treffend an der Tribüne das Bild malend, wer bei den Romand Bieler Grossräten in Bern das Sagen hat. 

Comment définit-on un romand du point de vue juridique, quand on passe  au vote? 
Alain Sermet, "Status du district bilingue", eine tatsächlich interessante Frage aufwerfend 

Gross und chlyn, dick und dünn!  
Stadtpräsident Stöckli, in Begeisterung über das einmütige Unterstützen des Projektes "Status du district bilingue de Bienne", und  ich weiss, in welche der vier Kategorien ich mich einzureihen habe. Und andere, das stelle ich gemeinsam mit dem amüsierten Sami fest, wissen es von sich auch 
 
Sans notre président,  à Berne ça rate!  
Stadtpräsident Stöckli zu Professor Petitpierre, ihn einladend, das Präsidium des Projektes "Status du district bilingue de Bienne" weiterzuführen. 

We das so isch, Herr Grossrat Moser, wirden i tatsächlech überlege, ob i nid sött emal versueche, di Wahl zschaffe!  
Stadtpräsident Stöckli, die Idee Peter Mosers, eine Grossratskandidatur ins Auge zu fassen, aufnehmend 

We si di im Nachhinein hei überzügt, isch es guet!  
Stimmenzähler Lachat, vom Plenum darauf hingewiesen, dass Stadtrat Paul Blösch durch sanfte, aber nachdrückliche Gewalt seiner Ratskollegin Riedtwyl zum Aufstehen gebracht wurde, und somit Einstimmigkeit vermeldet werden kann. 

Le directeur des finances saura trouver des solutions. Si c'est les bonnes, je l'espère.   
Samuel Grünenwald, den Spagat, Finanzdirektor Stöckli auf die Finger zu klopfen und ihn zu diesem Zweck wohl oder übel in seinen Fähigkeiten rühmen zu müssen, elegant meisternd 

Imaginez que vous arrivez dans une ville inconnue--- 
Félicienne Villoz, Auftakt zu einem eindrücklichen Votum für die Schaffung einer Stelle als Delegierte(r) für die Integrationsbelange 

Le délégué fera le pont qui va rallier tous les efforts 
Félicienne Villoz, Schaffung einer Stelle als Delegierte(r) für die Integrationsbelange 

Au risque de vous déplaire je dois vous dire que la direction des écoles et la mairie n'ont pas attendu votre intervention pour devenir actif dans le domaine d'intégration  
Schul- und Kulturdirektor Moeschler, in so filigran zierlicher Formulierung, dass den Deutschschweizern unter uns wieder mal neidvoll der Mund offenstehen bleibt 

Der Herr Stöckli het ds Problem gseh, wo mer zBözinge hei!  
Markus Habegger, zur Antwort des Gemeinderats auf seine Motion "Gebundene Steuerausgaben" - die kürzeste Erwiderung eines Motionärs an diesem Abend 

Je vous recommande d'employer du courant pour 300'000 francs et on vous foutra la paix  
Pierre Ogi zu Marc Despont, der per Motion eine finanzielle Beteiligung der Stadt an der Weihnachtsbeleuchtung wünscht, und ihn auf den Umstand hinweisend, dass erst ab 300'000 Franken derStadtrat für die Mittelsprechung zuständig ist.  

Cette fois, Monsieur Ogi, je te roule dessus  
Ratspräsident Nicati, mit schönem Schwung ein allzu weitgehendes und vor allem wiederholtes Eingreifen des Welschsozialisten in die Sitzungsführung unterbindend 

La culture est quelque chose de vivant, elle bouge  
Félicienne Villoz, zum Postulat Alain Sermet "Kulturpolitik der Stadt Biel" 

Nous devons nous trouver en harmonie avec le monde culturel  
Félicienne Villoz, Postulat Alain Sermet "Kulturpolitik der Stadt Biel" 

La culture ne se gère pas comme Swisscomm  
Kulturdirektor Moeschler, in seinem Votum zum Postulat "Kulturpolitik der Stadt Biel 

Pricewaterhouse arbeitet vor allem vom Schrybtisch us, u der Erfolg isch entsprächend  
Monika Barth, "Verkehrstechnische Umgestaltung Bahnhofplatz", mit ihrem Verdikt vermutlich einer ganzen Anzahl Parlamentariern aus dem Herz sprechend 

Es wird lieber für jede Hüehnerschiss e Studie erstellt, als der gsung Mönscheverstand la zwalte 
Monika Barth in der Fortsetzung, und  gleich nochmals mit einer wohltuenden Feststellung  

C'est le coeur qui parle! 
Marc Despont,  engagiert und mit Wärme das Bild eines weihnachtlich beleuchteten Biels malend und dabei über den Imperatif imagenons - imageons - imagissons stolpernd 

Le conseil municipal veut s'exprimer sur les six mille?  
Ratspräsident Nicati, in feinem Spott zum Gemeinderat, der es geschafft hat, sich aus formalen Gründen um einen Beitrag von 6'000 Franken an die Weihnachtsbeleuchtung der Innenstadt zu drücken 

Bim ESB sy d'Steckdose offe, für so ne Aktion zwiderhole  
Sicherheits- Energie- und Verkehrsdirektor Scherrer, in blumiger Sprache die Hoffnung schürend, das ESB werde erneut Strom zu günstigem Tarif für die Weihnachtsbeleuchtung der Innenstadt-Leiste liefern 



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Rhetorische und inhaltliche Glanzlichter aus dem Ratsbetrieb